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Rathaus 

Baugeschichte

Das Rathaus von St. Veit an der Glan befindet sich an der Nordseite des Hauptplatzes und zählt zu den markantesten Bauwerken der Innenstadt. Es wurde im 15. Jahrhundert als gotisches Gebäude errichtet und erfuhr im Laufe des 16. sowie 18. Jahrhunderts bedeutende bauliche Umgestaltungen.

Ein besonders auffälliges Element ist die über dem Portal angebrachte, gegossene Metalltafel mit der Jahreszahl 1468. Diese zeigt vier Heiligenfiguren, das Kärntner Landeswappen, das Reichswappen, die Hauszeichen der Familien Gleismüller und Kaltenhauser sowie ein Zitat aus dem mittelalterlichen Rechtsbuch Sachsenspiegel. Ein Verweis auf die frühere Verwendung des Gebäudes als Gerichtsstandort.

Die ursprüngliche Anlage im gotischen Stil wurde im 16. Jahrhundert durch Umbauten erweitert – besonders hervorzuheben ist der neu gestaltete Arkadenhof.

Etwa um das Jahr 1540 entstand ein dreigeschossiger Arkadenhof, dessen toskanische Säulen und kunstvoll ausgeführte Sgraffitodekorationen bis heute beeindrucken.

Weitere Erweiterungen erfolgten im 17. Jahrhundert auf der Nordseite und im 20. Jahrhundert an Ost- und Südseite des Gebäudes.

Die Sgraffiti im Innenhof wurden im Jahr 1953 restauriert.

Im Jahr 1998 wurde der Hof schließlich nach Entwürfen von Architekt Herfried Peyker mit einem Glasdach überdeckt, um ihn für Veranstaltungen nutzbar zu machen.

Architektur

Das Rathaus präsentiert sich als dreigeschossiger Baukörper mit sechs Achsen, in dem sich die gotischen Ursprünge und die barocke Fassadengestaltung eindrucksvoll vereinen.

Die Barockfassade, geschaffen in den Jahren 175455 unter der Leitung von Marx Josef Pittner, besticht durch reich ausgeführten Stuck, darunter Blumengirlanden über den Fensterverdachungen, Trophäenschmuck zwischen den Achsen und einen geschwungenen Wellengiebel.

Die Statue der Justitia, die zentral im Giebel platziert ist, wird im Entwurf dem Bildhauer Johann Pacher zugeschrieben.

Zu den weiteren architektonischen Details zählen drachenförmige Wasserspeier, ein kunstvolles Oberlichtgitter mit der Darstellung des heiligen Vitus, sowie Schmiedeeisengeländer an der Einfahrt, die von Franz Ortner gefertigt wurden.

Im ersten Obergeschoss befindet sich der große Sitzungssaal mit einer Stuckdecke aus dem Jahr 1754, die ebenfalls Pittner zugeschrieben wird.

Hauptfassade

Die straßenseitige Fassade wurde im Rahmen der barocken Umgestaltung 175455 neu komponiert und ist geprägt von einem geschwungenen Wellengiebel sowie einer fein gearbeiteten Stuckornamentik.

Über dem barock umgestalteten Eingangsportal befindet sich die eindrucksvolle Metalltafel von 1468, die mit heraldischen Symbolen und einem Rechtsspruch aus dem Sachsenspiegel gestaltet ist – ein einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Stadtrechtskultur.

Die architektonische Wirkung der Hauptfassade wird durch die Figur der Justitia, die Wasserspeier und die Schmiedearbeiten am Oberlichtgitter wirkungsvoll ergänzt.

Spätbarocke Fassade | Galerie 1

Architektur | Galerie 2

Beschriftete Bilder

Metallgusstafel

Unter einem gotischen Kielbogenportal ist das kaiserliche Wappen angebracht, bekrönt von einer Krone und gehalten von zwei Engeln.

Darunter steht ein Zitat aus dem Sachsenspiegel – dem bedeutendsten Rechtsbuch des deutschen Mittelalters: „Ains mans red ein halbe red, man sol sy verhoren bed.“ Sinngemäß bedeutet dies: Ein Richter soll beiden Parteien Gehör schenken, nicht nur einer, um ein faires Urteil fällen zu können.

Im unteren Bereich der Tafel sind die Jahreszahl MCCCCLXVIII (1468) sowie das Kärntner Landeswappen zu sehen.

Barockgiebel

Dieser reich verzierte Barockgiebel bildet den oberen Abschluss der Mittelachse des St. Veiter Rathauses. Die geschwungene, von Voluten gerahmte Silhouette entspricht einem typischen Schweifgiebel des Barock, der der Fassade Bewegung und Pracht verleiht. Im Zentrum des Tympanons ist ein aufwendig gestalteter kaiserlicher Doppeladler im Hochrelief zu sehen, der Zepter und Schwert hält. Über dem Adler thront eine große Reichskrone, während ein Portraitmedaillon mit einer darstellung des heiligen Vitus im Kessel die Brust des Wappentiers ziert. Umrahmt wird die Szene von Draperien, Kanonenrohren und weiteren militärischen Attributen – ein Hinweis auf die historische Treue der Stadt zur Habsburgermonarchie.

Innenhof (Arkadenhof)

Der Arkadenhof entstand um das Jahr 1540 und zeigt eine feingliedrige Gestaltung mit toskanischen Säulen und dekorativem Sgraffito, das illusionistisch Balustersäulchen nachahmt und die Zwickel der Bögen rhythmisch ausfüllt.

In den Jahrhunderten danach wurde der Hof mehrfach erweitert – besonders im 17. und 20. Jahrhundert. Die ursprünglichen Sgraffiti wurden im Jahr 1953 restauriert.

Im Jahr 1998 erfolgte die behutsame Überdachung des Hofes, wodurch ein atmosphärischer Veranstaltungsraum geschaffen wurde, der heute regelmäßig für kulturelle Anlässe genutzt wird.

Arkadenhof aus dem 16. Jahrhundert

Historische Fotografien
Bildquelle: Archiv der Stadtgemeinde St. Veit an der Glan

Giebel an der Rathausfassade
Fotografie, um 1950

Hochreliefskulptur der Justitia an der Fassade des Rathauses
Fotografie, um 1950

Bronzetafel an der Rathausfassade
Fotografie, um 1950

Dreigeschossige Rathausfassade
Fotografie, um 1950