Ehemalige Essigfabrik in der Glangasse
Das Herrenhaus stammt aus der Zeit zwischen 1725 und 1750 und war einst Teil einer Papiermühle, die von 1550 bis 1863 betrieben wurde.
Das barocke Gebäude ist zweigeschossig und verfügt über ein rundbogiges Eingangsportal. Es besitzt ein Satteldach sowie markante, großformatige Pilaster. Die Fenster sind mit dekorativen Rahmungen versehen, die teils plastisch gearbeitet, teils aufgemalt sind.
Die Papierherstellung in St. Veit
Die ehemalige Papiermühle bei der alten Glan ist ein bedeutendes Zeugnis früher Industriekultur. Die Papierkunst gelangte aus China über Bagdad und Kairo (um 900) nach Spanien (1150), Italien (1276), Frankreich (1350) und Nürnberg (1390). Nürnberger Kaufleute wie die Gleismüllner und Kaltenhauser brachten sie nach St. Veit.
Ein historischer Plan zeigt die Gebäude zwischen Glan und Glan-Kanal. Seit dem 15. Jahrhundert wurde hier handgeschöpftes Papier produziert, das besonders bei Kanzleien, Gerichten, Pfarreien und Klöstern in Kärnten gefragt war. In den Archiven finden sich oft Wasserzeichen mit dem heiligen Vitus, teilweise ergänzt durch Initialen früherer Besitzer. Eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung steht noch aus. Unklar ist, ob solche Zeichen von Beginn an verwendet wurden oder erst zur Zeit Maria Theresias eingeführt wurden.
Der Standort an der Glan | Ehemalige Essigfabrik
Die unregulierte Glan bildete einen natürlichen Wasserfall und bot somit ideale Bedingungen für den Mühlenbetrieb. Ab dem 19. Jahrhundert wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer: Peter Sommerhuber, Antonie Kronawitter (ab 1836), die Bürgergilt (1867), dann über die Compagnie Rauscher an die Hüttenberger Union (1869). Das Herrenhaus auf Parzelle 293 (heute Glangasse 71) blieb separat.
1880 übernahm Maria Kobl das Anwesen, 1882 Aloisia Puntschart. Mit der Industrialisierung verlor das Handschöpfen an Bedeutung. Ein Brand hatte 1864 bereits Schäden verursacht. Um 1890 ließ Franz Puntschart aus den Resten der Mühle eine Essigfabrik errichten, vermutlich auch mit dem Wohnhaus, in dem er und seine Frau 1915 bzw. 1930 starben. 1903 übernahm Fritz Knaus die Fabrik. Sein Weinessig wurde geschätzt – er selbst wohnte jedoch nie vor Ort. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts übersiedelte einer seiner Nachkommen mit dem Unternehmen nach Villach. Heute gibt es allerdings leider keinen „Knaus-Essig“ mehr.








Historische Fotografie
Bildquelle: Archiv der Stadtgemeinde St. Veit an der Glan


Ehemals Verwaltungshaus der Papiermühle
Fotografie, um 1920 entstanden