St. Veiter Hauptplatz
Dieser Platz ist ein hervorragendes Beispiel einer mittelalterlichen Platzanlage und eines weitgehend ungestörten Ensembles von Altbauten.
Die räumliche Gestaltung des Platzes wird durch die zentrale Pestsäule und je einen Brunnen in der Mitte der Ost- bzw. Westhälfte akzentuiert.
Historische Entwicklung
Der Hauptplatz entwickelte sich im Mittelalter aus dem Oberen Platz und wurde zum zentralen urbanen Markt- und Versammlungsort. Die umgebenden Bürgerhäuser mit Arkadenhöfen stammen meist aus dem 13.–15. Jahrhundert, teils mit gotischem Kern und später barockisiert.
Die Stadt erlebte im 15. Jahrhundert durch den Eisenerzhandel in Hüttenberg wirtschaftlichen Aufschwung, was sich in der Bebauung des Platzes widerspiegelte.
Form
Der Hauptplatz misst rund 200 Meter in der Länge und etwa 30 Meter in der Breite. Seine langgestreckte, nahezu rechteckige Form verläuft parallel zur historischen Stadtmauer und prägt bis heute das Bild der Innenstadt.
Bedeutung
Historisch wurde der Platz als „Oberer Platz“ bezeichnet und entwickelte sich bereits im 14. und 15. Jahrhundert zu einem zentralen Ort für Handel, Begegnung und städtisches Leben. Ab dem Jahr 1406 findet sich in schriftlichen Quellen eine klare Unterscheidung zwischen dem Oberen und dem Unteren Platz – ein Hinweis auf die gewachsene Bedeutung dieses urbanen Raums.
Hauptplatz – Nachtbeleuchtung
Galerie 1




Höhepunkte des Hauptplatzes
Galerie 2








Sehenswürdigkeiten und Bauwerke
Rathaus (Hauptplatz 1)
Das Rathaus stammt aus dem 15. Jahrhundert und hat einen gotischen Ursprung. 1754/55 wurde es durch Marx Josef Pittner nach Plänen von Johann Pacher barock umgestaltet. Die Fassade zieren reicher Stuckdekor und eine Justitia-Statue. Drachen-Wasserspeier und ein schmiedeeisernes Portalgitter stammen von Franz Ortner. Der Arkadenhof mit Sgraffiti ist heute überdacht und wird kulturell genutzt.
Pestsäule (Platzmitte, bei Hauptplatz 3)
Die Pestsäule wurde 1715 von Angelo de Putti errichtet. Auftraggeber war der Magistrat und die Bürgerschaft. Die Säule steht mittig auf dem Platz. Der Sockel ist achteckig. Auf der Altarplatte steht eine Heiligenfigur. Darüber befinden sich die Dreifaltigkeit und eine ornamentale Bekrönung.
Schüsselbrunnen (bei Hauptplatz 13)
Der Brunnen steht auf einem polygonalen Sockel. Der Sockel zeigt Wappenschilder. Eine Tafel nennt die Jahreszahl 1566. Abgebildet ist auch der heilige Veit im Kessel. Darüber liegt eine Marmorschüssel aus dem antiken Virunum. Ganz oben steht die Bronzefigur „Schüsselbrunnbartele“.
Walther-von-der-Vogelweide-Brunnen (bei Hauptplatz 25)
Der Brunnen entstand nach dem Stadtbrand von 1676. Ursprünglich trug er eine Statue des heiligen Florian, die sich heute im Innenhof der Bezirkshauptmannschaft (Hauptplatz 28) befindet. Um 1930 wurde die Florianistatue durch eine steinerne Vogelweidestatue ersetzt; seit 1960 steht dort die Bronzefigur von Walther von der Vogelweide, geschaffen von Lajos Szadai.
Jesusknabe (Kleindenkmal, Ecke Hauptplatz 2)
Die Holzfigur aus dem 16. Jahrhundert steht unter einem gotischen Steinbaldachin. Sie hält ein Kreuz und eine Weltkugel.
Zu sehen ist sie an der Ecke des Hauses Hauptplatz 2.
Steinbild des hl. Vitus (Kleindenkmal, Ecke Hauptplatz 14)
An der Ecke von Hauptplatz 14 steht eine spätgotische Steinfigur des heiligen Veit, des Stadtpatrons von St. Veit an der Glan. Sie entstand um 1460–1470 und zeigt die hohe Qualität der damaligen Kärntner Bildhauerei.
Carinthia Haus (Hauptplatz 10)
Das dreigeschossige, sechsachsige Gebäude mit frühbarocker Fassade steht am Schnittpunkt der Hauptachsen der Altstadt. Zur Zeit der Spanheimer-Herzöge diente es wohl schon als deren Stadthaus.
Bezirkshauptmannschaft (Hauptplatz 28)
Das Haus wurde um 1780 anstelle der Vierzehn-Nothelferkirche erbaut. Es besitzt eine klassizistische Fassade mit Pilastern und rustiziertem Sockel. Fenster und Portal stammen aus dem späten 18. Jahrhundert. Im Nordtrakt finden sich ältere Gewölbe aus dem 16. oder 17. Jahrhundert.
Museum am Hauptplatz (Hauptplatz 29)
Das Museum St. Veit liegt direkt am Hauptplatz und wurde 2004 als Museumszentrum der Stadt eröffnet. Es zeigt Stadt-, Eisenbahn-, Telekommunikations- und Postgeschichte. Auf rund 1000 m² sind etwa 3000 Exponate ausgestellt. Zu sehen sind auch eine jährlich wechselnde Sonderausstellung, ein Lapidarium und eine Gartenbahn.
Pflasterung Hauptplatz
Die Pflasterung des Hauptplatzes ist keineswegs historisch, sie wurde erst im Jahr 1974 durchgeführt. Seitdem wird der Platz in mühevoller Detailarbeit jährlich vom städtischen Bauhof gepflegt und etwaige Fehler ausgebessert.

Historische Platznamen
Oberer Platz (später Hauptplatz)
Ursprünglich wurde der heutige Hauptplatz als „Obere Platz“ bezeichnet. Bis 1399 taucht in den Quellen ausschließlich der allgemeine Begriff „Platz“ auf – gemeint war damit der heutige Obere Platz. Erst ab 1406 lässt sich eine klare Unterscheidung zwischen dem Oberen Platz und dem Unteren Platz nachweisen.
Unterer Platz (auch Niederer Platz)
Der Untere Platz, gelegentlich auch als „Niederer Platz“ bezeichnet, entwickelte sich ab spätestens 1406 zu einem eigenständigen Platzbereich.
„Oberer Platz“ und „Unterer Platz“ haben ihre Form seit dem 15. Jahrhundert nicht verändert.

Historische Fotografien
Bildquelle: Archiv der Stadtgemeinde St. Veit an der Glan

Ansichtskarte mit Darstellung des Hauptplatzes
Handkolorierte Fotografie, 1917
Aufnahmestandort: Nordöstliches Ende des Hauptplatzes
Blickrichtung: Südwesten
Die Pestsäule ist deutlich zu erkennen.

Hauptplatz
Fotografie, aufgenommen im Jahr 1918
Aufnahmestandort: Erhöhter Standpunkt am nordöstlichen Ende des Hauptplatzes
Blickrichtung: Südwesten
Folgende Merkmale sind zu erkennen:
– Baumreihe
– Pestsäule
– Gebäude der Bezirkshauptmannschaft (im Hintergrund)

Hauptplatz im Winter
Fotografie, aufgenommen im Dezember 1979
Aufnahmestandort: Erhöhter Standpunkt am südwestlichen Ende des Hauptplatzes
Blickrichtung: Nordosten
Folgende Sehenswürdigkeiten sind zu erkennen:
– Walther-von-der-Vogelweide Brunnen
– Pestsäule
– Carinthia Haus
– Rathaus (links)