Bahnhof Glandorf
Drei Bahnhöfe
Historischer Überblick
St. Veit an der Glan, eine geschichtsträchtige Stadt in Kärnten, ist durch ihre Eisenbahninfrastruktur maßgeblich geprägt. Über mehr als 150 Jahre hinweg prägten drei zentrale Bahnhöfe das Stadtbild: der Bahnhof Glandorf, der Westbahnhof und der heutige Bahnhof St. Veit. Ihre eng miteinander verflochtenen Geschichten spiegeln technischen Fortschritt, kaiserliche Ambitionen und sich wandelnde Bedürfnisse der Region wider.
Bahnhof Glandorf
Der erste Bahnhof
(1868–1990)
Der Bahnhof Glandorf war der erste Bahnhof, der St. Veit an der Glan bediente. Er wurde 1868 als Teil der Kronprinz-Rudolf-Bahn eröffnet – einer bedeutenden Linie, die Wien mit dem Süden der k.u.k. Monarchie verband.
Obwohl die Bahn wirtschaftliche Vorteile versprach, lehnten die Bürger von St. Veit zunächst eine Trasse nahe des Stadtzentrums ab – aus Angst vor Rauch, Lärm und möglichen Gefahren durch die „dampfenden Ungeheuer“. Daher wurde der Bahnhof außerhalb der Stadt im Ortsteil Glandorf, etwa 2 km vom Zentrum entfernt, errichtet.
Über Jahrzehnte hinweg diente Glandorf dem Personen- und Güterverkehr und fungierte zeitweise sogar als kaiserlicher Haltepunkt für Franz Joseph I., wenn dieser auf Reisen nach Triest oder in den Süden war.
Mit der Einführung einer neuen zweigleisigen Streckenführung wurde 1912 der Hauptbahnhof eröffnet, womit alle Personenverkehre dorthin verlagert wurden.
Glandorf blieb fortan als Rangierbahnhof und Güterumschlagplatz in Betrieb – bis zur endgültigen Stilllegung im Jahr 1990.


Westbahnhof
Güterumschlag, Lokomotivversorgung und Verschubbetrieb
(1912–1990)
Der Westbahnhof wurde 1912 errichtet und begleitete den Ausbau der neuen zweigleisigen Strecke zwischen Althofen und St. Veit. Am westlichen Stadtrand gelegen, war er primär für betriebliche Zwecke vorgesehen und nicht für den öffentlichen Verkehr konzipiert.
Obwohl anfangs mit Personenverkehr geplant, konzentrierte sich die Nutzung bald ausschließlich auf den Güterumschlag, die Wartung von Lokomotiven und das Rangieren.
Das Heizhaus, bereits 1880 erbaut, ist heute das älteste seiner Art in Kärnten und bildet das Herzstück des ehemaligen Bahnhofs. Hier wurden Lokomotiven gewartet – heute beherbergt es eine nostalgische Fahrzeugsammlung, darunter die letzte betriebsfähige Elektrolokomotive der Reihe 1245.05 sowie Schnelltriebwagen der Reihe 4042.
Der Westbahnhof war bis 1990 aktiv und wurde dann – wie Glandorf – endgültig geschlossen.
Bahnhof St. Veit
Herzstück des Bahnverkehrs
(seit 1912)
Der Bahnhof St. Veit an der Glan wurde am 30. September 1912 eröffnet und markierte einen Meilenstein in der Bahninfrastruktur der Stadt. Er war der letzte Bahnhof, der noch zur Zeit der Monarchie in Österreich errichtet wurde, und brachte den Personenverkehr direkt ins Stadtzentrum.
Mit Fokus auf Komfort, Urbanität und moderne Architektur löste der Hauptbahnhof die Bahnhöfe Glandorf und Westbahnhof im öffentlichen Personenverkehr ab.
Zwischen 2013 und 2015 wurde der Bahnhof umfassend saniert und modernisiert – wobei der historische Charme weitgehend erhalten blieb. Heute ist er das zentrale Drehkreuz für den Zugverkehr in der Region.
Zeitstrahl
Bahnhofsfunktionen im Zeitverlauf
Jahr | Bahnhof | Bahnhofsfunktionen |
1868 | Bahnhof Glandorf | Eröffnung für Personen- und Güterverkehr der Kronprinz-Rudolf-Bahn. |
1870s bis 1912 | Bahnhof Glandorf | Bahnhof der Kronprinz Rudolf Bahn. Franz Joseph I. machte hier auch Halt. |
1912 | Westbahnhof | Eröffnung; kurzzeitig Personenverkehr, danach nur Güter- und Betrieb. |
30 Sep 1912 | Bahnhof St. Veit | Offizielle Eröffnung; neuer Zentralbahnhof für den Personenverkehr. |
1912 | Westbahnhof | Beginn der Nutzung als Güterbahnhof und Betriebsstandort. |
1990 | Bahnhof Glandorf | Endgültige Stilllegung der Güterbahnhofes. |
2013 bis 2015 | Bahnhof St. Veit | Modernisierung; Verbindung von Geschichte und Gegenwart. |